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Berühmt ist das Lob des Fenchels durch Walahfrid Strabo: „Auch die Ehre des Fenchels sei hier nicht verschwiegen; er hebt sich kräftig im Spross, und er streckt zur Seite die Arme der Zweige, sowohl sehr süßen Geschmacks als auch süßen Geruches. Nützen soll er den Augen, wenn sie Schatten trügend befallen, und sein Same, mit Milch einer Ziege getrunken, lockere, so sagt man, die Blähung des Magens und fördere lösend alsbald den zaudernden Gang der lange verstopften Verdauung. Ferner vertreibt die Wurzel des Fenchels, vermischt mit dem Weine getrunken, den keuchenden Husten.“

Geschichte

In den eben zitierten Versen des Walahfrid Strabo, Berater der karolingischen Könige und Abt von der Reichenau (gest. 849), sind alle Anwendungen versteckt, die dem Bitterfenchel von der Klostermedizin zugesprochen wurden; die wichtigsten gelten auch heute noch.
Dioskurides nennt in seinem Werk ‚Materia medica’ aus dem 1. Jh. nach Chr. als Einsatzgebiete des Fenchels neben der Förderung der Muttermilch und der Menstruation auch die Behandlung von Nieren- und Blasenleiden. Er spricht von harntreibender Wirkung, der Heilung von Bissen tollwütiger Hunde sowie vom Einsatz in Augenmitteln.

Das erfolgreichste Kräuterbuch des Mittelalters, der ‚Macer floridus’ (11. Jh.) des Odo Magdunensis, wiederholt alle Anwendungen des Dioskurides, betont dabei ganz stark eine zu erwartende Verbesserung der Sehkraft und empfiehlt den Fenchel zudem bei Übelkeit und Magenproblemen.
Hildegard von Bingen schreibt in ihrem Kräuterbuch, dem ersten Buch der sogenannten ‚Physica’: „Wie auch immer er gegessen wird, macht er den Menschen fröhlich und vermittelt ihm angenehme Wärme und guten Schweiß und eine gute Verdauung.“ Die Verdauung steht dann bei Hildegard ganz im Vordergrund, außerdem gilt ihr Fenchel als ein Mittel zur allgemeinen Stärkung, während der Husten als Einsatzgebiet der Heilpflanze fehlt.

Das ‚Leipziger Kräuterbuch’ aus dem 15. Jh. bietet alle Anwendungen des Mittelalters und setzt hinzu, dass der Fenchel auch die Fertilität verbessere.
Bis heute konnte der Fenchel seinen Platz in der Kräuterheilkunde behaupten, auch wenn sich nicht alle historischen Anwendungsgebiete gehalten haben.
Der mittelalterliche lateinische Name „maratrum“ kommt übrigens von der griechischen Bezeichnung „marathos“. Die Schlacht von Marathon fand demnach auf einem Fenchelfeld statt.


Qualitäten und Anwendungen in der Klostermedizin

Der Fenchel wird durchweg als wärmende und trocknende Pflanze betrachtet. Damit ergeben sich aus der Viersäftelehre zwei Hauptanwendungsgebiete: Erkältungskrankheiten und Verdauungsschwäche. Genau diese werden von Walahfrid Strabo angeführt, während Hildegard die verdauungsfördernde Wirkung betont und schreibt: „wenn jemand gebratenes Fleisch oder gebratene Fische oder etwas anderes Gebratenes gegessen hat und davon Schmerzen leidet, dann esse er Fenchel oder seinen Samen, und es wird weniger schmerzen.“ Das ‚Circa instans’ (1150) und das ‚Leipziger Kräuterbuch’ (15. Jh.) nennen wieder beide Bereiche. In nahezu allen Texten - mit Ausnahme derer Hildegards - findet sich der Hinweis auf die milchfördernde Wirkung und die Verbesserung der Sehkraft der Augen.


Herkunft und Anbau

Der Fenchel ist ein Doldenblütler, eine Apiacea. Diese Familie stellt zahlreiche aromatische Arznei- und Gewürzpflanzen wie den Anis, den Kümmel oder den Dill. Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet und wurde durch die Klosterkultur nach Mitteleuropa gebracht. Heute wird der Fenchel in ganz Europa, Asien, aber auch in Afrika und Südamerika angebaut. Importe kommen aus Ungarn, Bulgarien und Rumänien, aber auch aus Ägypten und China nach Deutschland.


Inhaltsstoffe

In der Kräuterheilkunde wird nicht die Knolle des Gemüsefenchels genutzt, wie sie im Gemüsehandel angeboten wird, sondern die Früchte (Foeniculi fructus) einer ganz speziellen Unterart, nämlich des „Bitterfenchels“, der botanisch den Namen Foeniculum vulgare MILLER ssp. vulgare var. vulgare (MILLER) THELLING, trägt. Daneben kann auch der Süße Fenchel (var. dulce) eingesetzt werden.

Der große Gelehrte des Mittelalters, der Dominikaner Albertus Magnus (13. Jh.), widmet dem Fenchel kein eigenes Kapitel, sondern behandelt ihn zusammen mit Anis. Tatsächlich haben beide Pflanzen im ätherischen Öl das Anethol als Hauptwirkstoff. In dem Öl des Bitteren Fenchels sind bis zu 70%, in dem des Süßen Fenchels bis zu 90% Anethol enthalten.

Das ätherische Öl des Fenchels fördert die Magen- und Darmbewegung (Motilität) und hat bei höherer Dosierung eine krampflösende Wirkung auf die glatte Muskulatur von Magen und Darm. Bei Verschleimung der Atemwege wird deren Reinigung auf verschiedenen Wegen bewirkt: Zum einen regt das ätherische Öl des Fenchels die Bewegung der Flimmerhärchen in den Atemwegen an (sekretomotorische Wirkung), und zum anderen verdünnt es den zähen Bronchialschleim durch eine gesteigerte Produktion dünnflüssigen Bronchialsekrets (sekretolytische Wirkung). Auch eine antimikrobielle Wirkung des ätherischen Öls ist nachweisbar.


Anwendungen

Wissenschaftlich anerkannt ist zum einen die Anwendung bei Katarrhen der oberen Luftwege. Hier eignet  sich neben dem Tee auch der Fenchelhonig, der gerade von Kleinkindern gern eingenommen wird. Zum anderen wird der Fencheltee bei sogenannten dyspeptischen Beschwerden wie leichten, krampfartigen Magen-/Darm-Beschwerden, Völlegefühl und Blähungen empfohlen.

In der Volksmedizin ist Fenchel immer noch als Mittel zur Förderung der Muttermilch (Galaktagogum) bekannt und wird auch als Augenwasser bei Sehstörungen und Ermüdung der Augen äußerlich angewendet.

 

 

Forschergruppe Klostermedizin

 

 

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