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Obwohl der Lavendel eine Pflanze des Mittelmeerraumes ist, wird er von den antiken Autoren kaum beachtet. Dioskurides geht nur auf den Stoechas-Lavendel oder Schopflavendel ein (Lavandula stoechas L.). Im Mittelalter, wie uns etwa Odo Magdunensis in seinem ‚Macer floridus’ zeigt, zählte man auch die Echte Narde hinzu, die eigentlich ein Baldriangewächs ist. Trotzdem scheint der Lavendel eine Entdeckung der Klosterheilkunde zu sein. Hildegard von Bingen beschreibt unter dem Namen „Lavandula“ den echten Lavendel, rät jedoch von einer innerlichen Einnahme ab. Sie rühmt sein starkes Aroma und empfiehlt ihn für eine Anwendung gegen Läuse. Noch heute werden Lavendelsträuße gegen Ungeziefer wie Motten und für einen guten Geruch der Kleidung in die Schränke gehängt.

Die Wirkungsqualitäten werden in der Klosterheilkunde als wärmend und trocknend beschrieben. Hierdurch erklärt sich die Verwendung bei Schmerzen und Blähungen im Magen- und Darmbereich sowie der Einsatz gegen übermäßige Monatsblutung. Interessant ist jedoch der Hinweis auf die beruhigende Wirkung, der sich bei Odo Magdunensis findet, während die „Erregung der Liebeskraft“ wohl wegen des intensiven Geruches angenommen wurde.

Die große Beliebtheit des Lavendels kam als eine Modewelle aus England im 16. Jahrhundert. Von da an wurde er bei uns in den Gärten angebaut.


Herkunft und Anbau

Ursprünglich stammt der Lavendel aus dem westlichen Mittelmeergebiet, wo er immer noch in großem Umfang angebaut wird. Berühmt sind die Lavendelfelder der französischen Provence, aber auch in Spanien gibt es große Kulturen, inzwischen auch in Südosteuropa. Lavandula angustifolia wächst in höheren Berglagen ab 800 m, unterhalb dieser Höhe kommt es zu Kreuzungen mit dem Speik-Lavendel (Lavandula latifolia).

Vom Lavendelstrauch werden ausschließlich die Blüten (Lavandulae flos) verwendet. Sie werden getrocknet, oder das ätherische Öl wird unmittelbar nach der Ernte durch Wasserdampfdestillation extrahiert.


Inhaltstoffe

Die Lavendel-Arten zählen zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).  Das Echte Lavendelöl (Lavandulae aetheroleum) und die im Arzneibuch genannten Lavendelblüten stammen von Lavandula angustifolia L.

In den Blüten ist bis zu 3% ätherisches Öl mit Linalylacetet und Linalool als Hauptkomponenten enthalten. Weiterhin finden sich milde Lamiaceen-Gerbstoffe (immerhin 5-10%), darunter die Rosmarinsäure, sowie Cumarine und Flavonoide. Innerlich angewendet wirkt Lavendel beruhigend bei Unruhezuständen, lindert Oberbauchbeschwerden wie Blähungen und leichte Verkrampfungen. Auch eine Steigerung der Sekretion des Gallensaftes wird postuliert, wobei der dafür verantwortliche Inhaltsstoff noch nicht bestimmt ist. Äußerlich angewendet fördert das echte Lavendelöl, das im Gegensatz zu anderen ätherischen Ölen auf kleinen Hautarealen auch pur aufgetragen werden kann, den Kreislauf und die Durchblutung der Haut.


Anwendungen

Lavendelblüten in Form eines Tees oder des ätherischen Öls haben ein erstaunliches Anwendungsspektrum. Die Kommission E nennt in ihrer Empfehlung Befindlichkeitsstörungen wie Unruhezustände, Einschlafstörungen, außerdem Oberbauchbeschwerden wie Reizmagen und Blähungen sowie nervöse Darmbeschwerden.

In der Wassertherapie werden Lavendelzubereitungen zur Behandlung von funktionellen Kreislaufbeschwerden erfolgreich eingesetzt.

Bei Wunden und Hautproblemen wird das ätherische Öl in seiner heilungsfördernden Wirkung von den ebenfalls in der Pflanze enthaltenen milden Labiaten-Gerbstoffen unterstützt.

In der Volksheilkunde werden Lavendelblüten darüber hinaus auch als Mittel zur Krampflösung sowie zur Entwässerung gebraucht.

 

 

Forschergruppe Klostermedizin

 

 

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